Entwicklung Spannrohr und Haltemechanismus

 

1: Haltemechanismus, innenliegend

2: Spannhebel

3: Bundrohr bzw. Spannrohr

Haltemechanismus: Der Zweck dieses Haltemechanismus ist, dass der Spannhebel und das Bundrohr beim Schiessen gesichert in der vorderen Position verbleiben.

 

Bezüglich dieses Haltemechanismus unterscheide ich drei Entwicklungsstufen bzw. drei Varianten, welche nachfolgend beschrieben werden.


Variante 1, ab Einführung der MP5 1966

 

Im Bild oben links (rot eingerahmt): Haltemechanismus

Im Bild unten rechts (rot eingerahmt): Verschlussträger mit langem, integrierten Spannrohr.

Das Gewicht des Verschlussträgers nach diesem Bauprinzip war wohl etwas schwerer als der Verschlussträger nach heutiger Bauform. Theoretisch ist anzunehmen, dass die Schusskadenz im Seriefeuermodus etwas geringer war.

Auszug aus einer MP5 Kurzbeschreibung von 1967. Oben abgebildet ist der Verschlussträger mit dem langem Spannrohr.

 

 

Baugruppenzeichnung und Abbildung: Verschlussträger der MP5 mit integriertem Spannrohr.

 

Baugruppe Haltemechanismus

  1. Spannhebel
  2. Achse zu Spannhebel
  3. Haltestück zu Spannhebel
  4. Rasthebel
  5. Achse zu Rasthebel
  6. Rastbolzen
  7. Feder zu Rastbolzen

Spannhebel Pos. 5

 

 

Deutlich erkennbar an dieser MP5 von ca. 1967: Die Profilierung des langen Rohrs des Verschlussträgers.


Variante 2, Zwischenlösung

Das Rohr am Verschlussträger wurde gekürzt. Gemäss MP5-Literatur geschah diese Änderung 1971.

Zum Längenausgleich des verkürzten Rohrs am Verschlussträger wurde das Bundrohr verlängert.

Der komplizierte Haltemechanismus und die eigenwillige Form des Spannhebels bleiben unverändert.

 

Verschlussträger mit gekürztem Rohr (entspricht auch der heutigen Ausführung). Zum Längenausgleich wurde das Bundrohr verlängert, siehe Abbildung unten.

Verlängertes Bundrohr der Variante 2

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Die schematische Darstellung zeigt das lange Bundrohr (Pos. 28) und den gleichen, nach wie vor komplizierten Haltemechanismus, wie bei der Variante 1 (Pos. 22 - 27).

Vergrösserte schematische Darstellung des Haltemechanismus

 

Der Spannhebel blieb von Variante 1 zu Variante 2 unverändert.

 

Aufgrund dieser Abbildung (Teilesatzangebot aus Deutschland) wurde ich auf die unterschiedlichen Konstruktionen aufmerksam.


Variante 3, definitive Konstruktion

Die Konstruktion des Haltemechanismus wurde in einem weiteren Schritt unter Beibehaltung der Funktion wesentlich vereinfacht. Aus sieben recht komplizierten und damit teuren Konstruktionsteilen wurden fünf relativ einfach zu fertigende Teile. Damit wurde gleichzeitig auch die Montage vereinfacht.

Ich vermute den Zeitpunkt dieser Änderung in der zeitlichen Region 1972/73/74. Ein genaueres Datum konnte ich bislang noch nicht ermitteln.

 

Verschlussträger in heutiger Ausführung

 

Bundrohr und Haltemechanismus in der heutigen Ausführung:

5: Spannhebel

6: Achse zu Spannhebel

7: Haltestück mit Bundrohr

8: Rastbolzen

9: Feder zu Rastbolzen

 

Variante 3 ist die letzte Entwicklungsstufe bzw. heutige Ausführung des Verschlussträgers, des Bundrohrs und des Haltemechanismus.


Gewichtsvergleich der Verschlussgruppen

Gewichtsvergleich für die komplette Verschlussgruppe, also Verschlussträger plus Verschlusskopf plus Spannfeder der Variante 1 zu Variante 3:

 

Variante 1, ab 1966: 377 gr.

Variante 3, aktuelle/heutige Ausführung: 345 gr.

 

Wie weiter oben beschrieben, dürfte sich rein theoretisch der Gewichtsunterschied in geringer Weise bei der Feuerrate im Modus Dauerfeuer bemerkbar machen.


Im Bereich der 9mm MP5 im Standardformat wurde für die MP5 F (1998) eine weitere Variante des Haltemechanismus entwickelt.

Hierzu verweise ich auf die ausführliche Beschreibung im Kapitel  MP5 F, Gendarmerie Frankreich

 

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Finde ein weiteres spannendes Kapitel zur MP5: Inhalt der Webseite